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Fraueninsel: Gedenkkreuz für einen Kriegsverbrecher


Eine Buddha-Statue stört die Friedhofsruhe, ein Gedenkkreuz für einen Massenmörder nicht!

Beim Umgang mit alten und neuen Nazis ist in Bayern viel Verständnis festzustellen, das gilt für ihren obersten Amtsträger ebenso wie für die untersten Stützen der Macht, z.B. die Bürgermeister. So darf seit 70 Jahren auf dem Friedhof der Fraueninsel einem besonders widerwärtigem Massenmörder, Hitlers obersten Heerführer Alfred Jodl - sein "rechter Arm" beim Massenmord im Angriffs- und Vernichtungskrieg - mit einem überdimensionierten Gedenkkreuz nebst "eisenem Kreuz" gehuldigt werden. Das stört nicht die Friedhofsruhe, meinen die Mehrheit des Gemeinderats der Insel und sein Bürgermeister. Die Staatsregierung gibt ihnen recht dabei.

Andernorts in Bayern reicht schon eine kleine Buddhastatue, um die Friedhofsordnung zu stören und das kleine Symbol für ein friedliches Leben musste wieder entfernt werden.

Wenn so in Bayern mit dem finstersten Kapitel der deutschen Geschichte umgegangen wird, verwundert es nicht, dass den neuen Nazis, die gegen Ausländer hetzen und Terroranschläge begehen, ebenfalls Verständnis entgegenschlägt – sie werden zu „besorgten Bürgern“ verharmlost.

Die Geschichte des Schandmals auf der schönen Chiemsee Insel beginnt 1944. Als Jodels erste Frau, Irma von Boullion-Jodl starb, organisierte Hitler persönlch als Dank für seinen obersten Kriegsherrn einen Sonderzug, der die Leiche zum Chiemsee brachte – mitten in den letzten Monaten des Krieges. Ihr Mann wurde zwei Jahre später als Kriegsverbrecher verurteilt, da er der Hauptverantwortliche für den verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Völker Europas war, verantwortlich für unzählige Kriegsverbrechen, die er selbst, z.B. mit dem Kommissarsbefehl und der Blockade Leningrads angeordnet hatte. Allein in Leningrad verhungerten aufgrund Jodls Befehlen 1,1 Millionen Menschen.

Das Todesurteil wurde 16.10.1946 vollstreckt, die Leiche verbrannt und in einen Nebenarm der Isar gestreut. Damit sollte eine Grabstätte als Wallfahrtsort für Uneinsichtige verhindert werden.

Auch ohne vorhandene Überreste des Verbrechers ließ jedoch seine uneinsichtige zweite Frau Luise Jodl dennoch ihm auf der Fraueninsel ein Gedenkkreuz errichten mit eingraviertem „eisernen Kreuz“. Dass eines Kriegsverbrechers gedacht wurde, mag in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg noch in Bayern als „normal“ gegolten haben, da Soldaten, insbesondere aber Offiziere, lange noch als "anständige Menschen" betrachtet wurden, die "nur ihre Pflicht getan haben". Heute weiß man es besser, heute kennt man die unzähligen Kriegsverbrechen der Wehrmacht, die Massenerschießungen, Vergewaltigungen und die verbrannte Erde, die sie beim Rückzug hinterließ. Dennoch weigert sich die kleine Gemeinde im Chiemsee gegen das Ansinnen, das anchronistische Schandmal nun endlich zu entsorgen und auch die Petition eines Inselbewohners wurde von der Staatsregierung zurückgewiesen.

Als Wolfram Kastner und ich im Sommer 2015 eine Hinweistafel auf die Verbrechen von Jodl „Keine Ehre einem Kriegsverbrecher“ an dem Kreuz anbrachten, wurde sie bereits zwei Tage später vom Bürgermeister entfernt und da die Inhaber der Grabrechte, die drei Brüder Fisser, ebenfalls nichts unternehmen wollten, reichte es uns endgültig.

Inzwischen haben zwei der Brüder Fisser die Rechte auf ihren Bruder Johannes übertragen und wollen mit dem Ganzen nichts mehr zu tun haben. Nur Johannes Fisser kämpft vehement und offenbar mit gleicher Überzeugung wie seine Tante Luise Jodl für den Erhalt des Denkmals für Hitlers rechte Hand beim Massenmord. Erst erwirkte er eine einstweilige Verfügung gegen Wolfram Kastners künstlerische Interventionen (rote Farbe), mit der dieser auf das Schandmal hinweisen wollte, dann zeigte er ihn an und die bayerische Justiz - oftmals rechtslastig statt rechtmäßig - erließ Strafbefehl über 10.500 € wegen Sachbeschädigung.

Über die einstweilige Verfügung wurde am 02.02.17 im Münchner Justizpalast bei vollem Gerichtssaal und regem Presseinteresse verhandelt. Das Urteil wird erst am 17.02.2017 verkündet.

Im BR-Magazin "Quer" wurde am gleichen Tag hierzu ein Film gezeigt:

http://www.br.de/­mediathek/­video/­sendungen/­quer/­170202-quer-jodl-grab-fraueninsel-chiemsee-100.html

Am 17.02.16 bestätigte Richter Uwe Habereder seine einstweilige Verfügung, räumte zur Begründung zwar ein, dass Zweck der Aktion Kastners nicht Zerstörung war, sondern der Hinweis auf das Scheingrab eines Naziverbrechers - somit vom Grundrecht der Kunstfreiheit geschützt. Aber, führt das Urteil anschließend aus, der Schutz der Sache (Gedenkkreuz) stehe über diesen Rechten. So wird es wohl eine Berufung geben.



Seit längerem muss sich die Traunsteiner Staatsanwaltschaft mit einer Anzeige von 39 Personen gegen die Gemeinde und ihren Bürgermeister beschäftigen, wegen „Billigung und Rechtfertigung der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft“. Dieses Verbrechen kann nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichtes auch dadurch begangen werden, dass ein „Verantwortungsträger des NS-Regimes in besonderer Weise hervorgehoben wird“. Diese Voraussetzungen erfüllt das Gedenkkreuz für Alfred Jodl.

Gerade in Zeiten einer erschreckenden Renazifizierung, in denen nicht nur in den neuen Bundesländern der Rechtsradikalismus sich in übelsten Rassismus mit hunderten von Brandanschlägen zeigt, müssen Zeichen gesetzt werden, dass unsere lebendige Demokratie mit dem schändlichen und verbrecherischen Erbe des Naziregimes gründlich aufräumt und sich davon distanziert.

Mit unserer Strafanzeige wollen wir daher eine symbolische Verurteilung des Bürgermeisters erreichen, um ihn so mit staatlichem Zwang endlich zu motivieren, die Fraueninsel von einem der übelsten noch existierbaren Denkmäler für einen Naziverbrecher zu befreien.

Unterzeichner der Strafanzeige:

Jürgen Arnold, Rechtsanwalt, Mediator, München; Utz Benkel, Künstler und Verleger, Berlin; Siegfried Benker, „München ist bunt“; Thomas Berkmann, Projektleiter, München; Josef Bierbichler, Autor, Schauspieler, Ambach; Thomas Bollmann, Sassenburg; Marina Dietweger, Angestellte, München; Dr. Ulrich Dittmann, Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft, München; Gabi Duschl-Eckertsberger, München; Dr. Matthias Facharani, Tierarzt, Bayrisch-Gmain; Martin Friederich, Architekt, München; Elke Funke, München; Günther Gerstenberg, Autor+Künstler; Wolfram P. Kastner, Künstler, München; Michael Klingenfuß, Rechtsanwalt München; Ludwig Knapp, Trostberg; Herrad Küster-Eich, Rechtsanwältin München; Cordula Kropp, Soziologin, München; Gabriela Kufner, Technische Fachwirtin; Annemarie Gaugel, Rechtsanwältin, München; Michael Heininger, Cartoonist, München; Angelika Lex, Rechtsanwältin und Richterin am BayVerfGH;
Claus-Peter Lieckfeld, Autor+Journalist, Windach; Sabine und Werner Litzenhoff, Halstenbek; Fritz Maier, Rechtsanwalt, München; Melanie Manyet, Studentin, Weilheim; Siegfried Müller, Stadtrat, Schongau; Dr. Thomas Nappert, Rechtsanwalt; Cornelia Naumann, Autorin, München; Gerd Nies, Rechtsanwalt, München; Jakob Nusselt, Rettungsassistent, Weilheim; Hans Joachim Proft, München; Frank Rehberg, Bildungsreferent, ver.di Bildung + Beratung, München; Marta Reichenberger, München; Said, Autor, München; Tobias Schenke, Schauspieler, Berlin; Frieder Schuckall, Starnberg; Georg Simader, Literatur Agentur Copywrite, Frankfurt; Bernd Späth, Autor, München; Tillmann Spengler, Autor, Journalist, Ambach; Wieland Sternagel, München; Dr. Detlev Sträter, Soziologe, Stadt- und Regionalplaner, München; Marion Thomalla, Dossenheim; Ingolf v. Törne, München; Herbert Tremmel, Ingenieurbüro, München; Dr. Gerlinde Vogl, Soziologin, München; Barbara Wagner, Führungskräfte- und Organisationsentwicklung, München; Gerhard Weiß, München; Hans-Otto Wiebus, Journalist, München; Roswitha Wolff, Rechtsanwältin, München; Walter Zilker, München



Nachdem Johannes Fisser das Denkmal für den Verbrecher Alfred Jodl mit hohem finanziellen Aufwand hat demontieren, reinigen und wieder aufstellen lassen, haben wir auch ihn wegen Volksverhetzung angezeigt. Hat er zuvor das "Erbstück" seiner Tante nur geduldet, so zeigt die Renovierung, dass das Andenken an einen Kriegsverbrecher und Massenmörder weiter makellos die Friedhofsruhe stören soll. Im Prozess am 02.02. hatte der Inselbewohner Wieland eindringlich geschildert, wie sehr andere Grabnutzer unter dem Schandfleck auf ihrem Friedhof leiden.




Jürgen Arnold
Rechtsanwalt




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